Pattern Portal
On Tatar Futurity
Künstler*in:
allapopp
VERNISSAGE: Donnerstag 28.05.2026 ab 18 Uhr
29.05.2026 – 19.07.2026
Öffnungszeiten:
Jeden Freitag von 17:00 bis 21:00 Uhr & nach Vereinbarung
Dieses Projekt beginnt im Erinnern.
Teppiche an den Wänden eines tatarischen Zuhauses. Eine häusliche Oberfläche – Zeugin der Zeit und ihrer Ereignisse, Trägerin von Wissen und Kultur, eine Erzählerin. Als Kind blickte allapopp in solche Teppiche – folgte der Wiederholung ihrer Muster, bis diese sich in Bilder, Erzählungen und Welten verwandelten. Ein Portal aus Mustern.
Die Ausstellung dehnt diese Erinnerung in den Raum aus. Der Teppich wird zerlegt; seine Muster erscheinen in video-, textil- und keramischen Materialien. Der Raum wartet darauf, betreten und bewohnt zu werden. Die Besucher*innen sind eingeladen, das Portal zu betreten, sich zu setzen, Tee zu trinken, zu verweilen.
Der Teppich wird hier als Oberfläche, als Speicher und als Passage durch die Zeit begriffen.
Zugleich überschreitet der Wandteppich seinen spezifischen Ursprung. Er ist ein vertrautes Element vieler postsowjetischer Interieurs und findet sich in unterschiedlichsten Kulturen weltweit. Tataren leben seit vielen Jahrhunderten unter imperialer und kolonialer Herrschaft von russia und teilen ihre Geschichte mit der Vielzahl anderer indigener Gemeinschaften der Nordhalbkugel. Teppiche dienten dazu, die Wände von Dorfhäusern und Stadtwohnungen zu schmücken – und zu wärmen. Diese geteilte Vertrautheit öffnet die Arbeit über eine einzelne Erzählung hinaus und ermöglicht es den Besucher*innen, eigene Umgebungen und vergessene Räume zu erinnern.
Diese Erinnerung wird durch den Essay Kovry (Teppiche) der Autorin Elvina Valieva erweitert. In einer autobiografischen Reflexion verbindet Valieva persönliche Kindheitserinnerungen an Teppiche in postsowjetischen Wohnräumen mit Fragen von Migration, Fürsorge, weiblicher Arbeit und kulturellem Gedächtnis. Ihre Stimme ergänzt die Ausstellung um eine literarische Perspektive auf familiäre Mythologien, dekoloniale Imagination und die oft unsichtbaren Geschichten, die in Objekten wie Teppichen eingeschrieben sind.
Die Frage bleibt offen: Wie lassen sich Zukünfte aus fragmentierten und verschobenen kulturellen Geschichten heraus denken.
IMPRESSIONEN